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Waldviertler Graumohn, Blüten auf Feld
Foto: BMLFUW/Rita Ne...

Waldviertler Graumohn g.U *

Traditionell produzierter Graumohn produziert nach der Spezifikation für die Eintragung als Geschützte Ursprungsbezeichnung (gU) gemäß EU Verordnung 1065/97 ABl. L 156/6/97.
Logo Genuss Region Österreich und Logo geschützte Ursprungsbezeichnung
Foto: BMLFUW/A...
 
Registernummer: 8
 
Offenlegungsdatum
1280 erste urkundliche Erwähnungen von Mohn im Urbar des Abtes Ebro
 
Titel
Waldviertler Graumohn g.U
 
Kurzdarstellung oder Behauptung
Traditionelles Wissen um besondere Produktionsmethode von Graumohn. 
Der Mohn verdankt seine Qualität den geografischen Verhältnissen (weite Hügellandschaft, raues Klima, ausgeprägter Taufall) einschließlich der natürlichen und menschlichen Einflüsse dieser Region (viele Jahrhunderte Mohnanbautradition, klein strukturierte Betriebe).
Produziert nach der Spezifikation für die Eintragung als Geschützte Ursprungsbezeichnung (gU) gemäß EU Verordnung 1065/97 ABl. L 156/6/97.
 
Produktbezeichnung, Produktklasse
Graumohn, Mohngewächse, Papaveraceae 
 
Name der Region
Waldviertel, Niederösterreich, Österreich
 
Suchgebiet
Lebensmittel und Landwirtschaft
 
Name des Informationsgebers
Waldviertel Tourismus
 
Name des Antragstellers für den Titel
Waldviertler Sonderkulturenverein
3533 Oberwaltenreith 10
Tel: 02826/7443, Fax DW 50
e-mail: hof@waldland.at 
www.waldland.at 
 
Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen
Bauern der definierten Region im Waldviertel
 
Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels
Waldviertler Sonderkulturenverein
3533 Oberwaltenreith 10
Tel:  02826/7443  Fax DW 50
e-mail: hof@waldland.at 
www.waldland.at 
 
Beschreibung
Waldviertler Graumohn dürfte durch die Klöster ins Waldviertel gekommen sein, da die Mönche seit dem frühen Mittelalter Gartenmohn kultivierten, um daraus Heilmittel wider Schmerzen und Schlaflosigkeit herzustellen. Ein Beweis dafür ist das älteste Urbar des Stiftes Zwettl, das Urbar des Abtes Ebro von 1280. Erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird der Mohn im Waldviertel in Zehentbüchern (Zehent: Pachtentgelt der Bauern an den Grundherrn) erwähnt. Für das Jahr 1912 geht aus einer Agrarstatistik der K.u.K. Monarchie hervor, dass im Waldviertel 1200 ha Mohn angebaut wurden. Noch um 1930 notierte man den Zwettler Graumohn sogar an der Londoner Handelsbörse.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Mohn allmählich durch einfacher zu kultivierende, weil weniger Handarbeit verlangende, Pflanzen verdrängt. Erst ab ca. 1980 wurde die alte Tradition des Mohnanbaus im Waldviertel durch initiativen zur Förderung landwirtschaftlicher Alternativprogramme (Gründung des Vereines zur Förderung der Sonderkulturen im Waldviertel) wiederbelebt.
 
Das Mohnkorn ist grau, von nierenförmiger Gestalt und im Vergleich zu den Samen anderer Mohnsorten relativ groß, etwa 1 – 1,5 mm lang und 0,7 – 1 mm breit. Die Oberfläche zeigt eine netzartige Struktur. Der Waldviertler Graumohn zeichnet sich durch eine schwache Samenschale und einen um 2 bis 3 % höheren Ölgehalt im Vergleich zu den Blaumohnsorten aus. Der Ölgehalt beträgt zwischen 43,4 – 48,4 %. Durch diesen hohen Ölgehalt weist der Waldviertler Graumohn  einen ausgeprägten, milden und nussartigen Mohngeschmack auf. Waldviertler Graumohn weist einen sehr hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (ca. 85 %) auf. Er gehört zu den Schlafmohn- bzw. Ölmohnsorten (Papaver somniferum Linné) und ist als Schütt- und Schließmohn bekannt. Großflächig angebaut wird er zur Zeit als Schüttmohn, aus produktionstechnischen Gründen könnte in Zukunft jedoch auch der großflächige Anbau als Schließmohn erfolgen. 
 
Das Waldviertel ist ein Teil des österreichischen Bundeslandes Niederösterreich. Die Abgrenzung nach Norden ist durch die Staatsgrenze zu Tschechien gegeben. Die Anbaugebiete des Waldviertler Graumohns umfassen die politischen Bezirke Zwettl, Gmünd, Waidhofen/Thaya, Horn, Krems/Land (nördlich der Donau) und Melk (nördlich der Donau). 
  
Der Mohnanbau verlangt große Sorgfalt und einen „gartenmäßig“ vorbereiteten Boden. Im Hinblick auf die geringe Frostempfindlichkeit wird der Mohn zeitig im Frühjahr (Anfang März bis Ende April) gesät, um die Winterfeuchtigkeit für die Jungpflanzenentwicklung auszunützen. In der Hauptvegetationszeit hat die Mohnpflanze hohe Wärmeansprüche. Bis dato sind amtlicherseits keine Pflanzenschutzmittel für Mohn zugelassen. Zur Lösung des Unkrautproblems wird ein dreimalig wiederholter Hackvorgang empfohlen. Eine trockene Erntewitterung sowie eine rasche und schonende Ernte ist für die Mohn- bzw. Kapselqualität von ausschlaggebender Bedeutung. Waldviertler Graumohn ist eine Sorte, die besonders arm an Opiaten ist. Traditionell wird Mohn zur Produktion von Mohnöl und für Mohnbackwaren verwendet.
Da der Waldviertler Graumohn zum Unterschied zu anderen Mohnsorten einen relativ hohen Ölgehalt und eine sehr schwache Samenschale aufweist, würde er bei einer Ernte mit herkömmlichen Mähdreschern angeschlagen und zerquetscht und dadurch ranzig werden. Dies würde zu großen Qualitätseinbußen führen. Daher wurden vom Verein zur Förderung von Sonderkulturen spezielle Mohnerntemaschinen entwickelt. 
 
Die Blätter des Waldviertler Graumohns sind zum Unterschied zu anderen Mohnsorten weicher, an den Blatträndern gesägt und üppig lappig, der Stengel ist etwas behaart. Speziell durch diese Eigenschaft kann der Waldviertler Graumohn den durch die im Waldviertel vorherrschenden hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht hervorgerufenen Tau besser ausnützen, was für seine gute Entwicklung vorteilhaft ist. Durch die kargen Waldviertler Böden entwickelt sich der Graumohn nur langsam, was sich wiederum auf Qualität und Menge des Mohnöls positiv auswirkt. Der Mohnanbau spielt für die vorrangig kleinstrukturierte Landwirtschaft im Waldviertel eine bedeutende wirtschaftliche Rolle und gewinnt als landschaftsprägendes Element speziell auch für den Tourismus immer mehr an Bedeutung. Die rot-weiß-rot blühenden Mohnfelder locken jährlich viele Urlauber ins Waldviertel. Darüber hinaus ist Mohn ein traditioneller Bestandteil der regionalen Küche.

Die Beschreibung der Spezifikation für die Registrierung als gU liegt im Österreichischen Patentamt auf. (Nationales Aktenzeichen: 1197-GR/95)
 
Schlüsselworte
Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Waldviertel, Mohn, Graumohn, Papaver sp., Papaveraceae, Mohnöl, Mohnbackwaren

Bibilographie/ Referenzen
Verordnung (EWG) Nr. 2081/92. Antrag auf Eintragung Art. 17, g.U (Nationales Aktenzeichen: 1197-GR/95)
Ditta Rudle, Reinhard Mandl: Waldviertler Graumohn. Pichler Verlag, 1998; ISBN: 3854311737
http://www.defra.gov.uk
www.waldviertel.or.at 
www.waldland.at 
www.genuss-region.at 

Sprachcode
Deutsch

Produkt von www.genuss-region.at
Ja

Regionaler Ansprechpartner
Waldviertel Tourismus, Hauptplatz 4, A-3910 Zwettl
www.waldviertel.or.at
 
Autoren: Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus
 
* derzeit in Überarbeitung
 

19.02.2010, Lebensministerium III/4