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Sujet Jagdberger Heumilchkäse
Foto: BMLFUW/AMA Marketi...

Jagdberger Heumilchkäse

 
Registernummer: 61
 
Offenlegungsdatum
Seit Urzeiten werden in den österreichischen Berggebieten Milchkühe mit Heu gefüttert und diese Produktionsmethode ist in der Region Jagdberg bis heute in Verwendung.
Im Jahr 1906 wurde die Sennerei Schnifis gegründet.
 
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Titel

Jagdberger Heumilchkäse
 
 
 
Kurzdarstellung oder Behauptung
Käse hergestellt aus traditioneller Heumilch gewonnen von Kühen aus der Region Jagdberg, Vorarlberg.
Heumilch ist die Bezeichnung für Milch, die von Kühen gewonnen wird, die im Sommer mit Grünfutter und im Winter mit Heu gefüttert werden. Silagefutter ist nicht erlaubt.
Heumilch weist Geschmackskomponenten auf, die in direkter Beziehung zur lokalen Vielfalt alpiner Pflanzen und Kräutern stehen.
 
Der Käse erlangt seinen speziellen charakteristischen Geschmack durch die Qualität der Heumilch und das Traditionelle Wissen um das Handwerk der Käsekunst.
Die regionale Produktion von Jagdberger Heumilchkäse trägt durch eine naturnahe Milchkuhhaltung zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen und gebirgigen Landschaftsform, sowie zur Erhaltung der Artenvielfalt der Wiesen und Weiden bei.
 
Produktbezeichnung, Produktklasse
Käse, Milchprodukte
 
Name der Region
Jagdberg, Vorarlberg, Österreich
 
Suchgebiet
Lebensmittel und Landwirtschaft
 
Name des Informationsgebers
---
 
Name des Antragstellers für den Titel
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Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen
30 Heumilchlieferanten, 2 Sennereien in Schlins und Schnifis
 
Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels
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Beschreibung
- Geschichte:
Seit Urzeiten werden Milchkühe in den österreichischen Berggebieten mit Heu gefüttert und bis heute ist diese Produktionsmethode in der Region Jagdberg in Verwendung.
Die Milch- und Käseproduktion ist seit vielen Generationen von besonderer Bedeutung in Vorarlberg.
 
1889 begannen Landwirte der Gemeinde Schlins in der Produktion von Käse und Butter zu kooperieren um einen besseren Erlös zu erzielen. Im Jahre 1903 wurde eine Genossenschaft gegründet. 1906 wurde die Sennerei Schnifis und 1928 die Dorf-Sennerei Schlins erbaut.
 
Seit dem Jahr 1995, nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft, existiert die Maßnahme „Verzicht auf Silage“ im Rahmen des Österreichischen Umweltprogramms (ÖPUL).
 
Im Jahr 2004 wurde von den Delegierten aus Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark die österreichische ARGE Heumilch in Innsbruck, Tirol, gegründet. Diese Arbeitsgemeinschaft ist der Dachverband der Heumilchorganisationen in den österreichischen Bundesländern und ein freiwilliger Zusammenschluss österreichischer Milchbauern und Heumilch verarbeitenden Käserein.
 
Heumilch ist eine seltene Spezialität. Nur rund 3 % der europäischen Milch wird als echte Heumilch produziert. Im Gegensatz dazu sind rund 20 % der österreichischen Milch Heumilch.
 
- Gebiet/ Region:
Die Region Jagdberg umfasst die Gemeinden Düns, Dünserberg, Röns, Satteins, Schlins und Schnifis im politischen Bezirk Feldkrich, Vorarlberg. Die Region liegt auf einer Seehöhe von 496 – 1.270 m.
 
Der Name der Region stammt von der früheren Herrschaft und dem früheren Landgericht Jagdberg.
 
Klima:
Die Region ist charakterisiert durch milde, schneereiche Winter und eher kühle Sommer. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,9 °C. Starke, warme Föhnwinde beschleunigen die Schneeschmelze im Frühjahr und wirken sich positiv auf die Vegetation aus. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1.231 mm.  
 
Bodenbeschaffenheit:
In der Region sind vorwiegend Silikat- und kalkhältige Böden zu finden.
 
Flora:
Die Jagdberg Almen liegen auf einer Seehöhe von über 1.000 m. Die Bergflora ist durch die lokalen Boden- und Klimaverhältnisse bedingt und gekennzeichnet durch eine Vielfalt an alpinen Pflanzen.
Diese spezielle Artenvielfalt an Gräsern und Kräutern im Grünfutter und das daraus erzeugte Heu liefern die Basis für den einzigartigen Geschmack des Jagdberger Heumilchkäses.
 
- Heumilch:
Heumilch ist Rohmilch, die von Kühen gewonnen wird, die im Sommer mit Grünfutter und im Winter mit Heu gefüttert werden. Silagefutter ist verboten.
Die lokale Vielfalt alpiner Pflanzen und Kräuter hat einen direkten Zusammenhang mit der Qualität von Heumilch.
 
Heumilch ist charakterisiert durch nur sehr wenige Clostridiensporen. Das Vorhandensein von Clostridiensporen ist bei der Käseherstellung unerwünscht, da ihre Vermehrung in Rohmilch Buttersäuregärung und damit Blähungsdefekten bei Käse verursachen können. Weiter sind Clostridensporen besonders gesundheitsgefährdend für Säuglinge und Kleinkinder. Clostridien können sich in Silagefutter vermehren, aber nicht in trockenem Heu wachsen.
 
Österreichische Heumilch enthält sehr wenige Clostridiensporen (weniger als 200/Liter Milch). Dadurch kann Heumilch direkt ohne Konservierungsmittel und Zusatzstoffe verkäst werden. Heumilch hat einen besonderen Ruf als Spezialmilch für Hartkäseerzeugung erlangt.
 
Im Gegensatz dazu muss Standardrohmilch, von mit Silagefutter gefütterten Kühen, behandelt werden, um Clostridiensporen, die die Pasteurisierung überstehen können, zu entfernen bzw. zu unterdrücken. Dies geschieht durch Zentrifugalentkeimung oder durch Konservierungsmittel (Nitrat oder Lysozym).
 
Die Verwendung von Heumilch für die Käseherstellung kommt den Wünschen der Konsumenten nach möglichst naturreinen Lebensmitteln entgegen. Weiters muss der hohe Kalziumgehalt (100 g Heumilch deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen) sowie der hohe Gehalt an den ernährungsphysiologischen wichtigen konjugierten Linolsäuren (CLA) und Omega-3 Fettsäuren hervorgehoben werden.
 
Österreichisches Heumilchregulativ:
Das Heumilch Regulativ legt fest, unter welchen Bedingungen Heumilch produziert werden darf.
Verboten sind:
- Herstellung, Lagerung von Silofutter oder auf allen Silage-Rundballen auf den Betriebsstätten
  des Milcherzeugers, Verfütterung von Silagefutter
- Herstellung und Verfütterung von Feuchtheu oder Gärheu
- Verfütterung von Rückständen von Brauereien, Brennereien, Mostereien der
  Lebensmittelindustrie (z. B. Biertreber oder Nass-Schnitten)
- Futtermittel in eingeweichtem Zustand
- Futtermittel tierischen Ursprungs (Milch, Molke, Tiermehle etc.)
- Verfütterung von Küchen-, Garten- und Obstabfällen, Kartoffeln und Harnstoff
- Futtermittel mit Zusatz von Antibiotika, Chemotherapeutika oder Hormonen.
 
Erlaubte Futtermittel für Milchkühe:
- Als Beifutter sind Grünraps, Grünroggen und Futterrüben bis maximal 25 % des
  Trockenmassebedarfes von Milchvieh erlaubt.
- Als Kraftfutter sind Weizen, Gerste, Hafer, Triticale und Mais zulässig. Ackerbohnen,
  Futtererbsen und Extraktionsschrote können in Summe bis zu maximal 25 % Gewichtsanteil
  in der Kraftfutterration verwendet werden
- Maximal 1 ha Grünmais als Reserve für jahreszeitlich bedingte Grundfutterengpässe
Ausnahme: zugelassene Futtermittel in trockenem Zustand: nicht melassierte Trockenschnitten.
 
Düngungsbestimmungen:
Eine Ausbringung von Klärschlamm, Klärschlammprodukten und Kompost aus kommunalen Aufbereitungsanlagen auf allen landwirtschaftlichen Nutzflächen des Milchlieferanten ist untersagt.
Zwischen Düngung und Nutzung muss eine Mindestwartezeit von 3 Wochen eingehalten werden.
 
Einsatz chemischer Hilfsstoffe:
Ein flächendeckender Einsatz von Pestiziden auf allen Futterflächen des Milchlieferanten ist strengstens verboten.
 
Ein Einsatz von zugelassenen Sprühmitteln zur Fliegenbekämpfung (Diptera) ist in Milchviehställen nur bei Abwesenheit der Kühe erlaubt.
 
Die Anwendung von Euterdesinfektionsmitteln muss in einer Form erfolgen, die eine Kontamination der Milch mit Sicherheit ausschließt.
 
Milchlieferverbote:
Eine Ablieferung von Milch in den ersten 10 Tagen nach dem Abkalben und vor Ablauf der vorgeschriebenen Wartefrist bei Behandlung mit Arzneimittel ist nicht erlaubt.
 
- Jagdberger Heumilchkäse:
Die Bezeichnung „Jagdberger Heumilchkäse“ wird im Kontext mit GENUSS REGION Österreich für Hartkäse, halbharte und Schnittkäse verwendet.
 
Jagdberger Heumilchkäse wird aus Heumilch (silofreier Milch) von Milchkühen der Region hergestellt. Im Sommer fressen die Kühe Pflanzen und Kräuter auf den Berghängen und Bergwiesen. Im Winter erhalten die Kühe das eigen produzierte Heu und Getreide.
 
Etwa 30 bäuerliche Familienbetriebe der Gemeinden Schlins, Röns, Satteins, Schnifis, Düns und Dünserberg liefern jährlich rund 2,8 Mio. kg Heumilch an die zwei örtlichen Sennereien. Die Milch wird täglich geliefert und vor der Weiterverarbeitung auf Zusammensetzung und Qualität untersucht. In der Region werden jährlich rund 320.000 t Heumilchkäse hergestellt.
Heute wird eine Reihe verschiedener Heumilchkäsesorten in der Region unter Markennamen wie „Schnifner Bergkäse“ oder „Schnifner Laurentius“ verkauft.
 
- Vermarktung:
Die Vermarktung des Jagdberger Heumlichkäses erfolgt durch die „ARGE Heumilch Vorarlberg“, über die lokalen Sennereien, über den Lebensmittelhandel sowie die Gastronomie.
 
Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:
- Besondere Boden- und Klimaverhältnisse Gebiet Jagdberg führen zu einer reichhaltigen,
  lokalen alpinen Flora, wodurch eine extensive Bewirtschaftung der Almen mit Milchkühen
  ermöglicht wird.
- Ausgeprägte Bodenständigkeit: die Milchkühe werden auf alpinen Pflanzen und Kräutern
  geweidet und/oder mit Gras und Heu gefüttert, das auf den Bauernhöfen produziert wird.
- Traditionell handwerklich Herstellungsweise in kleinen Sennereien.
- Die Herstellung von Jagdberger Heumilchkäse ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das
  von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung
  der Milchkuhhalter (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt,
  Methoden der Milchkuhhaltung in Berggebieten, Methoden der Heuproduktion, Methoden
  der Grün- und Heufütterung, Vermeidung von Silagefütterung) sowie der Sennerein
  (Herstellung, Reifung und Lagerung von Käse).
 
- Verwertung:
Neben der Herstellung von Heumilchkäse wird die Heumilch auch zu Butter, Topfen und Joghurt verarbeitet oder als hochqualitative Trinkmilch verkauft.
 
- Schutz:
-
 
Schlüsselworte
Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Vorarlberg, Jagdberg, Region, Schnifis, Milch, Heumilch, Käse, Heumilchkäse, Jagdberger Heumilchkäse
 
Bibliographie / Referenzen
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  gesundheitlich bedeutsame Fettsäuren (Omega 3, Omega 6, CLA) unter Berücksichtigung
  des eingesetzten Maisfutters; Universität Kassel, Witzenhausen, Juni 2006.
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  Futtermittel für hartkäsetaugliche Milch; Milchw. Berichte 125, 184 – 186.
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- MOREL I., WYSS U., COLLOMB M. (2006): Grünfutter- oder Silagezusammensetzung und
  Milchinhaltstoffe; Agrarforschung 13, 228 - 233.
- Österr. Lebensmittelbuch Codexkapitel B 32:Milch und Milchprodukte
- Proceedings ALFA Jahrestagung 2001, 29.-31.05.2001, Wolfpassing, 163 – 165.
- SCHREIBER, M. (2002): Gehalt an konjugierten Linolsäuren (CLA) in österreichischer
  Trinkmilch unterschiedlicher Provenienz; Diplomarbeit an der BAM Rotholz.
- TSCHAGER, E., GINZINGER, W., DILLINGER, K. (2001): Fettsäurespektrum des Milchfettes in
  Abhängigkeit von Fütterung und Haltung.
- TSCHAGER, E.; ZANGERL, P.; SEBASTIANI, H.; KNEIFEL, W.; LANG, C.; LEGNER, H. (1994):
  Organoleptische, technologische und ernährungsphysiologische Eigenschaften von Almmilch;
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- Regulativ für Heumilch
  http://www.heumilch.at/die-arge/heumilchregulativ
- A. NIEDERSTÄTTER A., TSCHAIKNER M. (Hg.). Das Gericht Jagdberg. Von der Einrichtung
  1319 bis zur Aufhebung 1808. ELEMENT.WALGAU Schriftenreihe Band 4
  http://www.vorarlberg.at/pdf/niederstaetter-tschaikner.pdf
- Zur Geschichte Jagdberg
  Doz. Dr. Tschaikner, Vorarlberger Landesarchiv, persönliche Mitteilung 7.4.2008
- LEODOLTER S., WINKLER S.(2008): Käseimpressionen aus Vorarlberg. In: Genuss käse.pur,
  02/2008, 32 - 35
- ARGE Milch Vorarlberg:
  http://www.heumilch.at/index.php?option=com_content&task=view&id=39&Itemid=79
- Der unbekannte Jagdberg:
  http://www.vorarlberg.gv.at/vorarlberg/geschichte_statistik/geschichte/landesgeschichte/ausstellungendesvorarlber/_derunbekanntejagdberg_/_derunbekanntejagdberg_.htm - Die forstlichen Wuchsgebiete Österreichs: Wuchsgebiet 2.1: Nördliche Zwischenalpen –
  Westteil
  http://bfw.ac.at/300/1185.html
- Die Produktion:
  http://www.sennerei-schnifis.at/pages/produktion.html
- Klimadaten von Österreich 1971 – 2000: Feldkirch
  http://www.zamg.ac.at/fix/klima/oe71-00/klima2000/klimadaten_oesterreich_1971_frame1.htm 
- "Ländle Apfel" und "Jagdberger Heumilchkäse" bereichern die Vorarlberger Genuss Regionen
  http://www.bauernzeitung.at/?id=2500%2C38214%2C%2C
- Pröll: Vorarlberg wächst um zwei Genussregionen
  http://presse.lebensministerium.at/article/articleview/69801/1/21507/
- Sennerei Schnifis und Umgebung:
  http://www.vorarlbergkaese.at/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=47
- Schnifis
  http://de.wikipedia.org/wiki/Schnifis
- Vorarlberg
  http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.v/v885304.htm
- Vorarlberg - Hinweise
  http://www.tiscover.at/at/guide/5,de,SCH1/objectId,RGN15at,adviceObjectId,ADV472147at,folder,ADVICE,season,at1,selectedEntry,hint/hint.html
Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 21. Oktober 2008.
 
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Deutsch
 
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Ja
 
Regionaler Ansprechpartner
Peter Dünser
Sennerei Schnifis Reg. GenmbH
Jagdbergstr. 84
6822 Schnifis, Österreich
Tel.: 0043 5524/2588 
office@sennerei-schnifis.at
 
Autoren: Mag. Doris Reinthaler, Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus
 

08.04.2011, Lebensministerium III/4